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Urban Places – Public Spaces: Was ist die gute Stadt?

Was ist die gute Stadt? Ist die gute Stadt schön, sauber und zugänglich? Ist die gute Stadt ein Wohlfühlort oder kann sie auch anecken, abschrecken und ablehnen?

Was tut die gute Stadt für ihre Bewohner? Und was muss sie Mensch, Tier, Wirtschaft und Kultur bieten, um als gute Stadt wahrgenommen zu werden?

Wem gehört die gute Stadt? Und wer gestaltet sie? Wer ist dafür verantwortlich, dass aus einer Stadt eine gute Stadt wird?

Ist eine gute Stadt Treffpunkt für gute Ideen und gute Taten? Ist die gute Stadt harmonisch oder auch widersprüchlich?

Initatorin Eva Obregón zur Frage: Wer macht die Stadt?

Eva Obregón lebt in Madrid und ist Mitglied der Nachbarschaftsinitiative Esta es una plaza (auf Deutsch: Dies ist ein Ort), die gegründet wurde, um einstmals ungenutzten Raum in einem sinnvollen Ort zu verwandeln. Was 2008 als kurzfristiges Projekt angedacht war, entwickelte sich zu einer festen Institution innerhalb der Nachbarschaft und zeigt, wie bürgerliches Engagement, Widerstandskraft und Kreativität Stadtgestaltung aktiv mitformen kann.

Architekt Peter Haimerl zur Frage: Wer macht die Stadt?

Peter Haimerl ist Architekt in München und setzt sich verstärkt mit dem Thema Stadtplanung auseinander. Mit dem Projekt Ort.Schafft.Mitte hat er dem Ort Blaibach im Bayerischen Wald durch den Bau verschiedener Objekte wieder seinen Kern zurückgegeben. Durch den Bau eines Bürgerhauses und der Errichtung eines Konzerthauses in der Ortsmitte, hauchte er Blaibach neues Leben ein und versucht im Kampf gegen die Abwanderungswelle, neue Impulse zu setzen.

Urban Places – Public Spaces: Wer macht die Stadt?

IMG_2406Am Sonntag, 22. März 2015, findet die zweite Debatte der Veranstaltungsreihe Urban Places – Public Spaces statt, die gemeinsam von den Münchner Kammerspielen und dem Goethe Institut veranstaltet wird und sich mit dem Leben in der Stadt beschäftigt.

Urban Places – Public Spaces: Istanbul, São Paulo und München wollen die Stadt zurück erobern

„Wem gehört die Stadt?“ fragten sich Istanbul, São Paulo und München im ersten Teil der Veranstaltungsreihe URBAN PLACES – PUBLIC SPACES, die die Münchner Kammerspiele gemeinsam mit dem Goethe Institut als globale Debatte veranstaltet. Sechs Künstler, Aktivisten und Blogger aus den drei Metropolen diskutierten über die Herausforderungen und Schwierigkeiten, denen sich globale Metropolen aktuell stellen müssen. Per Livestream wurden die drei Städte zur gemeinsamen Debatte zusammengeschaltet, die auch via Twitter begleitet wurde.


Wem gehört sie denn nun, die Stadt? Dass die Antwort gar nicht so einfach ist, haben wir ja bereits in unserem ersten Blogpost zur Veranstaltungsreihe angedeutet. Deshalb haben wir gemeinsam mit euch eine virtuelle Collage erstellt, die ihr auf Twitter und Instagram unter dem Hashtag #gehörtdiestadt finden könnt.

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Die Ansammlung an skurillen, schönen, überraschenden und klassischen Stadtaufnahmen zeigt, wie vielschichtig das Problem mit dem Besitzen der Stadt ist. Auch die einleitenden Filmbeiträge aus den teilnehmenden Städten versuchten sich der Antwort auf die Frage “Wem gehört die Stadt?” visuell anzunähern – und zeigten dabei ganz unterschiedliche Perspektiven und städtebauliche Herausforderungen, denen sich die Städte aktuell stellen.

Megaprojekte verdrängen die Menschen aus Istanbul

In Istanbul diskutierten der Filmregisseur Imre Azem und der Blogger und Aktivist Yasar Adnan Adanali (Reclaim Istanbul), die vor allem auf den komplexen politischen Einfluss der AKP auf die Strukturen der Stadt Istanbul nehmen. Menschen müssen Megaprojekten weichen, die durch Investoren und Regierung beschlossen werden. Halb öffentlich, halb private Organisationen betreiben die Wohnungspolitik, die Menschen aus ihren Behausungen verdrängt. Sie treiben die Gentrifizierung massiv voran, verbannen die Menschen aus dem Zentrum und zerstören vor allem auch die Ökologie Istanbuls.

Fast zeitgleich zu den Protesten im Gezy-Park in Istanbul kamen auch in São Paulo Proteste auf, die in der 31. Architekturbiennale von São Paulo thematisiert wurden. Für Raquel Rolnik, Architektin und Stadtplanerin, ist klar: Den Protesten liegt die Forderung nach dem Recht auf die Stadt zu Grunde. Gemeinsam mit der Schauspielerin und Autorin Roberta Estrela D‘Alva führen die Teilnehmer aus São Paulo die Probleme auf das schnelle wirtschaftliche Wachstum zurück.

Das “Recht auf die Stadt”

Die Soziologin Vera Telles, die im einleitenden Filmbeitrag zu Wort kommt, bringt es auf den Punkt: „Das zentrale Problem ist, dass die Marktlogik die Stadt, aber auch die Institutionen, das Leben, Ideen, Projekte und Vorstellungen neu definiert.“ Mietpreise erleben eine Explosion und globale Investoren nehmen die Stadt ein, in der sich viele Menschen das Leben nicht mehr leisten können. Die Stadt wird zum Business – das Resultat: eine massive Anzahl leerstehender Gebäude, die nach und nach verkommen, Menschen, denen Lebensraum weggenommen wird und vor allem ein seelenloser Kulturraum. Fußballweltmeisterschaft, Olympische Spiele und andere Megaprojekte wahren den Schein und sind für die Regierung praktische Entschuldigung für die Schaffung neuer Gesetze. Wie reagieren die Menschen in Brasilien? Sie organisieren sich selbst und besetzen die leerstehenden Bauten, die stattdessen zu Objekten von Mietspekulationen werden.

Der türkische Aktivist Adanali fordert einen organisierten und strukturierten Ansatz, den Bürgern das Recht auf die Stadt zurückzugeben – er stellt  seine Forderung gleich mit anderen sozialen Rechten, wie dem Recht auf Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung. Auch wenn in beiden Städten unterschiedliche Kämpfe ausgetragen werden, Parallelen zwischen Istanbul und São Paulo sind deutlich erkennbar. Sie stellen die scheinbar viel wichtigere Frage an diesem Abend:  „How can we reclaim the city?“ also „Wie können wir die Stadt für uns zurückerobern?“

Die Lage in München

In den Münchner Kammerspielen diskutierten Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) und Alex Rühle, Mitbegründer des Flüchtlingsprojekts „Bellevue di Monaco“ und der Goldgrund Immobilien Organisation, auf dem Theaterpodium. Sie thematisierten die sukzessive Verdrängung der finanziell schlechter gestellten Menschen aus dem Münchener Stadtzentrum, sowie die vorherrschende prekäre Lage der Flüchtlinge. Im Münchner Beitrag wurde der Kampf um das „Bellevue di Monaco“ aufgezeigt, das Flüchtlingen Wohnraum im Zentrum Münchens ermöglichen möchte. Dabei geht es auch um die Nutzung eines leerstehenden Gebäudes inmitten eines von Gentrifizierung geprägten Stadtviertels. Wieso kann die Nutzung der Immobilie nicht für die Integration von Flüchtlingen genutzt werden – braucht das Münchner Glockenbachviertel denn den nächsten Hochglanzwohnbau? Und würde die Integration von Flüchtlingen nicht viel besser funktionieren, wenn man sie nicht an den Stadtrand verdrängt?

Wie können wir die Stadt zurückgewinnen?

Um den Kampf zur Rückgewinnungung der Stadt als Lebensraum für Menschen zu erhalten, müssen wir uns zunächst um den Wert der Dinge Gedanken machen, meint Raquel Rolnik. Alles dreht sich um den Wert von Häusern, den Wert der Stadt und den Wert der Menschen, die darin Leben. Alles wird bewertet – und das vor allem in kommerziellen Parametern. An dieser Stelle muss der Wert neu berechnet und in eine neue Relation gesetzt werden, um den Menschen den Lebensraum zurückgeben zu können.

Vor allem spielt aber auch Kunst und Kultur eine wesentliche Rolle – denn sie stellt eine neue Beziehung zwischen Körper und Geist einer Stadt her und kann uns davor bewahren, dass wir den Bezug zwischen Gebäuden, Straßen und Räumen verlieren und diese seelenlos existieren. „We should not stop producing things!“, postuliert Adenali. Kunst in ihren verschiedenen Formen ist das Bindeglied zwischen Mensch und Raum und trägt zur Entwicklung als Lebensraum bei.

Ein spannender Abend, der die Vielschichtigkeit der Herausforderungen der Metropolen zum Ausdruck brachte, Parallelen an unterschiedlichen Plätzen der Erde aufzeigte und einen Austausch erzeugte, der sich hoffentlich gegenseitig befruchtete. Wir freuen uns auf die folgenden Teile der Debatten zu den Fragen Wer macht die Stadt? (Madrid und New York am 22. März) und Was macht die gute Stadt? (Rotterdam und Johannesburg am 26. April), die wir wieder mit begleiten werden.

URBAN PLACES – PUBLIC SPACES: Wem gehört die Stadt?

URBAN PLACES - PUBLIC SPACES: Wem gehört die Stadt?

Wem gehört die Stadt? fragen die Münchner Kammerspiele gemeinsam mit dem Goethe Institut und eröffnen mit dieser Frage am Sonntag, den 22. Februar, die Veranstaltungsreihe URBAN PLACES – PUBLIC SPACES. An drei Abenden diskutieren Künstler, Aktivisten und Blogger in jeweils drei unterschiedlichen Städten über die Herausforderung, die sich Städteplanung in Zeiten von Landflucht, Gentrifizierung und Flüchtlingsströmen stellen muss. Die Website des Projekts gibt eine ausführliche Übersicht über Teilnehmer und Themen und regt zum Nachdenken und Mitdiskutieren an.