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#Spurenleser: ein Spaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens in München

Unser Spaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens in München beginnt an der Pinakothek der Moderne – genauer gesagt in der Ausstellung Johanna Diehl: Ukraine Series (noch zu sehen bis 6. März 2016). Die Fotografien der Hamburgerin zeigen einstige jüdische Synagogen. Anders als in Nazideutschland wurden die religiösen Stätten in der Ukraine nicht zerstört, sondern im Rahmen der antireligiösen Sowjetpolitik zweckentfremdet und mit einer neuen Bedeutung belegt. Anstatt zu beten, sollten sich die Menschen beispielsweise der neuen “Religion” Sport hingeben, sodass eine Vielzahl der Synagogen zu Turnhallen umfunktioniert wurde: Entstanden sind skurrile Orte mit einem morbid-unwirklichen Charme, die Johanna Diehl ungeschönt, stets mit dem Blick ins Innere der einstigen Gottshäuser, darstellt.

EINE NACHT IM SHABBYSHABBY APARTEMENT – TEIL 2. ODER: AUF DER ANDEREN SEITE DES BETTES

…hört man nicht besser oder schlechter. Sieht man nicht schöner oder schäbiger. Riecht man nicht angenehmer oder beißender. Oder doch? Jedenfalls anders. Während Susanna bereits mit euch geteilt hat, wie sie die Nacht im Shabbyshabby Apartement Give and Take erlebt hat, beschreibe ich nun als Beischläferin und nachdem ich ein paar Nächte darüber geschlafen hab, meinen Eindruck.

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Give & Take im Shabbyshabby Apartement – oder: Ist das noch Kunst oder schon Perversität?

Die temporäre Installation der Shabbyshabby Apartements klingt vielversprechend – anders und mutig wirkt die erste Inszenierung von Matthias Lilienthal, dem neuen Intendanten der Münchner Kammerspiele. Der gebürtige Berliner setzt damit ein deutliches Statement innerhalb des Stadtbildes und macht seinen Amtsantritt in der ganzen Stadt publik. „Hallo, hier bin ich und an mir kommt ihr nicht so leicht vorbei!“, scheinen die 23 Buden, Häuschen und Zelte, die für einen Monat in der Münchner Innenstadt und im Stadtteil Giesing aufgebaut wurden, den Menschen entgegen zu rufen. Was für die Installationen gilt, trifft vielleicht auch für Lilienthal selbst zu.

Urban Places – Public Spaces: Istanbul, São Paulo und München wollen die Stadt zurück erobern

„Wem gehört die Stadt?“ fragten sich Istanbul, São Paulo und München im ersten Teil der Veranstaltungsreihe URBAN PLACES – PUBLIC SPACES, die die Münchner Kammerspiele gemeinsam mit dem Goethe Institut als globale Debatte veranstaltet. Sechs Künstler, Aktivisten und Blogger aus den drei Metropolen diskutierten über die Herausforderungen und Schwierigkeiten, denen sich globale Metropolen aktuell stellen müssen. Per Livestream wurden die drei Städte zur gemeinsamen Debatte zusammengeschaltet, die auch via Twitter begleitet wurde.


Wem gehört sie denn nun, die Stadt? Dass die Antwort gar nicht so einfach ist, haben wir ja bereits in unserem ersten Blogpost zur Veranstaltungsreihe angedeutet. Deshalb haben wir gemeinsam mit euch eine virtuelle Collage erstellt, die ihr auf Twitter und Instagram unter dem Hashtag #gehörtdiestadt finden könnt.

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Die Ansammlung an skurillen, schönen, überraschenden und klassischen Stadtaufnahmen zeigt, wie vielschichtig das Problem mit dem Besitzen der Stadt ist. Auch die einleitenden Filmbeiträge aus den teilnehmenden Städten versuchten sich der Antwort auf die Frage “Wem gehört die Stadt?” visuell anzunähern – und zeigten dabei ganz unterschiedliche Perspektiven und städtebauliche Herausforderungen, denen sich die Städte aktuell stellen.

Megaprojekte verdrängen die Menschen aus Istanbul

In Istanbul diskutierten der Filmregisseur Imre Azem und der Blogger und Aktivist Yasar Adnan Adanali (Reclaim Istanbul), die vor allem auf den komplexen politischen Einfluss der AKP auf die Strukturen der Stadt Istanbul nehmen. Menschen müssen Megaprojekten weichen, die durch Investoren und Regierung beschlossen werden. Halb öffentlich, halb private Organisationen betreiben die Wohnungspolitik, die Menschen aus ihren Behausungen verdrängt. Sie treiben die Gentrifizierung massiv voran, verbannen die Menschen aus dem Zentrum und zerstören vor allem auch die Ökologie Istanbuls.

Fast zeitgleich zu den Protesten im Gezy-Park in Istanbul kamen auch in São Paulo Proteste auf, die in der 31. Architekturbiennale von São Paulo thematisiert wurden. Für Raquel Rolnik, Architektin und Stadtplanerin, ist klar: Den Protesten liegt die Forderung nach dem Recht auf die Stadt zu Grunde. Gemeinsam mit der Schauspielerin und Autorin Roberta Estrela D‘Alva führen die Teilnehmer aus São Paulo die Probleme auf das schnelle wirtschaftliche Wachstum zurück.

Das “Recht auf die Stadt”

Die Soziologin Vera Telles, die im einleitenden Filmbeitrag zu Wort kommt, bringt es auf den Punkt: „Das zentrale Problem ist, dass die Marktlogik die Stadt, aber auch die Institutionen, das Leben, Ideen, Projekte und Vorstellungen neu definiert.“ Mietpreise erleben eine Explosion und globale Investoren nehmen die Stadt ein, in der sich viele Menschen das Leben nicht mehr leisten können. Die Stadt wird zum Business – das Resultat: eine massive Anzahl leerstehender Gebäude, die nach und nach verkommen, Menschen, denen Lebensraum weggenommen wird und vor allem ein seelenloser Kulturraum. Fußballweltmeisterschaft, Olympische Spiele und andere Megaprojekte wahren den Schein und sind für die Regierung praktische Entschuldigung für die Schaffung neuer Gesetze. Wie reagieren die Menschen in Brasilien? Sie organisieren sich selbst und besetzen die leerstehenden Bauten, die stattdessen zu Objekten von Mietspekulationen werden.

Der türkische Aktivist Adanali fordert einen organisierten und strukturierten Ansatz, den Bürgern das Recht auf die Stadt zurückzugeben – er stellt  seine Forderung gleich mit anderen sozialen Rechten, wie dem Recht auf Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung. Auch wenn in beiden Städten unterschiedliche Kämpfe ausgetragen werden, Parallelen zwischen Istanbul und São Paulo sind deutlich erkennbar. Sie stellen die scheinbar viel wichtigere Frage an diesem Abend:  „How can we reclaim the city?“ also „Wie können wir die Stadt für uns zurückerobern?“

Die Lage in München

In den Münchner Kammerspielen diskutierten Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) und Alex Rühle, Mitbegründer des Flüchtlingsprojekts „Bellevue di Monaco“ und der Goldgrund Immobilien Organisation, auf dem Theaterpodium. Sie thematisierten die sukzessive Verdrängung der finanziell schlechter gestellten Menschen aus dem Münchener Stadtzentrum, sowie die vorherrschende prekäre Lage der Flüchtlinge. Im Münchner Beitrag wurde der Kampf um das „Bellevue di Monaco“ aufgezeigt, das Flüchtlingen Wohnraum im Zentrum Münchens ermöglichen möchte. Dabei geht es auch um die Nutzung eines leerstehenden Gebäudes inmitten eines von Gentrifizierung geprägten Stadtviertels. Wieso kann die Nutzung der Immobilie nicht für die Integration von Flüchtlingen genutzt werden – braucht das Münchner Glockenbachviertel denn den nächsten Hochglanzwohnbau? Und würde die Integration von Flüchtlingen nicht viel besser funktionieren, wenn man sie nicht an den Stadtrand verdrängt?

Wie können wir die Stadt zurückgewinnen?

Um den Kampf zur Rückgewinnungung der Stadt als Lebensraum für Menschen zu erhalten, müssen wir uns zunächst um den Wert der Dinge Gedanken machen, meint Raquel Rolnik. Alles dreht sich um den Wert von Häusern, den Wert der Stadt und den Wert der Menschen, die darin Leben. Alles wird bewertet – und das vor allem in kommerziellen Parametern. An dieser Stelle muss der Wert neu berechnet und in eine neue Relation gesetzt werden, um den Menschen den Lebensraum zurückgeben zu können.

Vor allem spielt aber auch Kunst und Kultur eine wesentliche Rolle – denn sie stellt eine neue Beziehung zwischen Körper und Geist einer Stadt her und kann uns davor bewahren, dass wir den Bezug zwischen Gebäuden, Straßen und Räumen verlieren und diese seelenlos existieren. „We should not stop producing things!“, postuliert Adenali. Kunst in ihren verschiedenen Formen ist das Bindeglied zwischen Mensch und Raum und trägt zur Entwicklung als Lebensraum bei.

Ein spannender Abend, der die Vielschichtigkeit der Herausforderungen der Metropolen zum Ausdruck brachte, Parallelen an unterschiedlichen Plätzen der Erde aufzeigte und einen Austausch erzeugte, der sich hoffentlich gegenseitig befruchtete. Wir freuen uns auf die folgenden Teile der Debatten zu den Fragen Wer macht die Stadt? (Madrid und New York am 22. März) und Was macht die gute Stadt? (Rotterdam und Johannesburg am 26. April), die wir wieder mit begleiten werden.

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Drei Fragen an: Alice und Olivia aus dem Residenztheater

In der Kategorie Menschen porträtieren wir Personen, die in Kulturbetrieben arbeiten und möchten dabei jenen Leuten eine Stimme geben, die diese oft nicht bekommen. Wir haben uns mit Alice und Julia, die am Residenztheater in München die Garderobe betreuen, unterhalten und ihnen unsere drei Fragen gestellt:

Was macht ihr hier?

Olivia: Wir sind beide Studentinnen und arbeiten hier.
Alice: Genau, das ist unser Nebenjob hier, als Garderobendamen – Jacken aufhängen und ausgeben.

Was bedeutet dieser Ort für euch?

Alice: Für mich ist es wie in der Bib zu sitzen, ich lerne in der Wartezeit immer hier. Deswegen ist es für mich auch ein Lernort.
Oliva: Ich lerne hier auch gerne, ich hab aber auch sehr viele Freunde hier und komme sehr gerne her. Es ist auf jeden Fall mehr als nur Arbeit.

Was würdet ihr hier gerne mehr sehen?

Alice: Ich würde mich gerne öfter ins Stück reinsetzen, aber das ist natürlich schwierig, wenn es ausverkauft ist. Heute (Faust) hätte ich es vor allem gerne gesehen.
Olivia: So geht es mir auch!

#ARTvent: Zweiundzwanzig – oder: Warum uns das Deutsche Museum an unseren Onkel erinnert

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Das Deutsche Museum ist wie ein technikbegeisterter Onkel: Detailverliebt, herzensgut, ein bisschen verschroben und etwas in die Jahre gekommen. Geduldig erklärt uns der Onkel, wie Technik theoretisch funktioniert. Seine Praxisbeispiele sind allerdings veraltet. Der Onkel kennt die Sozialen Medien und ist auch hier und da angemeldet. Aber Austausch und Kommunikation sucht er nicht im Digitalen. Das Haus des Onkels hat seine besten Zeiten schon hinter sich und nicht nur seine Rollläden bedürfen einer Modernisierung.

#ARTvent: Neunzehn

Lenbachhaus München

Lenbachhaus München

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Die Sammlung des Lenbachhauses umfasst Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, Arbeiten der Künstlergruppe Der Blaue Reiter und aus der Zeit der Neuen Sachlichkeit, sowie Werke von Joseph Beuys und Kunst nach 1945. Insbesondere seit der Wiedereröffnung des Lenbachhauses im Mai 2013 ist das Haus für viele Kulturinteressierte ein bedeutender Ort innerhalb der städtischen Museenszene Münchens und auch räumlicher Einstieg in das Kunstareal der Maxvorstadt. Das Lenbachhaus möchte aktiv an der Gestaltung eines für jedermann erlebbaren Kulturraumes beitragen. Teil der Urbanisierung des – insbesondere im internationalen Vergleich schwer zugänglichen – Areals war im Sommer 2014 die Eröffnung einer Eisdiele vor dem Museum, die nicht nur für Kunstfreunde, sondern auch für Eisliebhaber, Cappucinotrinker und Flanierer zum Treffpunkt wurde.

#ARTvent: Fünfzehn – Oder: Staatsoper.TV – Opern-Livestream im Wohnzimmer

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Spielplan der Bayerischen Staatsoper für die Saison 2014 / 2015

Die Bayerische Staatsoper präsentiert – wie mittlerweile zahlreiche große Opernhäuser – in der Spielzeit 14/15 wieder sieben Opern- und zwei Ballettabende im Livestream von Staatsoper.TV.

Die Produktionen der Staatsoper kommen so live und in voller Länge auch zu denjenigen, die – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aus geografischen – nicht in das Opernhaus in München kommen können. Dies ist angesichts der immer älter werdenden Zuschauerschaft eine intelligent eingerichtete Leistung und umgekehrt ein hervorragender Service. Für das Haus an sich, das sich indes auch in globaler Sicht als Marke und Standortfaktor begreift, bietet das außerdem zusätzliches Vermarktungspotenzial.

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#ARTvent: Dreizehn – Oder: Drei Fragen an Julia Richter von der lothringer13

Drei Fragen an die Bloggerin Julia Richter von der lothringer13:

Was machst du hier?

Ich bin ausnahmsweise hier vorne im Rroom und stehe hier Leuten zur Verfügung – zum Kaffee machen oder zum erklären, was der Rroom eigentlich ist. Normalerweise bin ich aber hinten in der Halle (lothringer13) und erkläre den Leuten die Ausstellung oder was der Förderpreis ist oder was gerade läuft.

Was bedeutet dieser Ort für dich?

Das ist ein Ort, der ganz viel Ruhe ausstrahlt und wo man mit Kunst sein kann. Und das finde ich total schön, dass man hier ganz unbehelligt in Kunst herumwandeln kann – Design und Architektur jetzt in diesem Fall – und das einfach aufnehmen kann. Und auch hier im Rroom vorne einfach so die Dinge ohne kommerziellen Druck genießen kann.

Was möchtest du gerne hier mehr erleben?

Mehr Leute! Und mehr Austausch! Das ist so etwas Tolles hier, ich möchte einfach, dass das mehr genutzt wird. Und dass die Leute wirklich auch sehen, was das ist. Die meisten Leute wissen nicht einmal, dass hinten die Halle ist, die ein wahnsinnig schöner Raum ist, so etwas gibt es in München selten. Alleine durchzugehen durch die Halle, das tut einfach gut. Man kann so ein bisschen runterkommen von Stress und Alltag und Verkehr und Stadt – das soll Kunst anregen: einfach verschnaufen, einen Schritt zur Seite treten und zu sich kommen.

Wir finden Julias Blog, a personal style, richtig gut – schon gesehen?

#ARTvent: Zwölf – Oder: Ein Jahr Münchner Kammerspiele

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Programmheft der Münchner Kammerspiele für den Monat Dezember

Wir blicken zurück auf 12 Monate Münchner Kammerspiele, auf zwei (halbe) Spielzeiten, auf unzählige Aufführungen, auf Premieren, Gastauftritte, Kooperationen, auf Neues und Bekanntes, auf neben und hinter der Bühne – das waren unsere Höhepunkte 2014: