RITOURNELLE

Ritournelle – oder: ein ganz normaler Theaterabend

Vorfreude auf einen besonderen Samstagabend – keine Bar, kein Club, keine heimische Küche sollten heute der Ort des nächtlichen Geschehens sein, sondern die Kammer 1 der Münchner Kammerspiele. Wo sonst gespielt, gelitten, gefühlt, geläutert wird (so im Idealfall), sollte an diesem Samstag im Februar getanzt, getrunken, gefeiert werden, wenn – laut Programm – “ein Koordinatensystem zwischen viszeralem Noise und anschmiegsamen Popsongs für den Dancefloor aufgespannt” wird.

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#Spurenleser: ein Spaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens in München

Unser Spaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens in München beginnt an der Pinakothek der Moderne – genauer gesagt in der Ausstellung Johanna Diehl: Ukraine Series (noch zu sehen bis 6. März 2016). Die Fotografien der Hamburgerin zeigen einstige jüdische Synagogen. Anders als in Nazideutschland wurden die religiösen Stätten in der Ukraine nicht zerstört, sondern im Rahmen der antireligiösen Sowjetpolitik zweckentfremdet und mit einer neuen Bedeutung belegt. Anstatt zu beten, sollten sich die Menschen beispielsweise der neuen “Religion” Sport hingeben, sodass eine Vielzahl der Synagogen zu Turnhallen umfunktioniert wurde: Entstanden sind skurrile Orte mit einem morbid-unwirklichen Charme, die Johanna Diehl ungeschönt, stets mit dem Blick ins Innere der einstigen Gottshäuser, darstellt.

Shabbyshabby 3

Give & Take im Shabbyshabby Apartement – oder: Ist das noch Kunst oder schon Perversität?

Die temporäre Installation der Shabbyshabby Apartements klingt vielversprechend – anders und mutig wirkt die erste Inszenierung von Matthias Lilienthal, dem neuen Intendanten der Münchner Kammerspiele. Der gebürtige Berliner setzt damit ein deutliches Statement innerhalb des Stadtbildes und macht seinen Amtsantritt in der ganzen Stadt publik. „Hallo, hier bin ich und an mir kommt ihr nicht so leicht vorbei!“, scheinen die 23 Buden, Häuschen und Zelte, die für einen Monat in der Münchner Innenstadt und im Stadtteil Giesing aufgebaut wurden, den Menschen entgegen zu rufen. Was für die Installationen gilt, trifft vielleicht auch für Lilienthal selbst zu.

emotion Magazin

Magazinliebe: emotion – bitte mehr davon!

Bahnhof Fulda, Sonntagabend, 21 Uhr – der Zug nach München kommt, aber eben mit einer Stunde Verspätung. Anstatt im, wie gewohnt gutsortierten, Zeitschriftenkiosk eine Publikation entsprechend meines gewohnten Beuteschemas zu kaufen – kulturell-wertvoll, intellektuell, international, avantgardistisch (oder wenn niemand hinschaut: Gossip, Hochglanz, Landadel) – greife ich zum Magazin emotion. Sei es auf Grund der wundervollen Petra Schmidt-Schaller auf dem Cover oder wegen der Titelstory “Wer willst du sein?”, die mich in diesem Moment eiskalt erwischt hat.

Reiseliteratur Israel

Reiseliteratur: Israel erlesen

Immer wieder dasselbe: In ein paar Tagen geht es in den Urlaub und anstatt Rucksack zu packen, Routen zu recherchieren, Hotels zu buchen, Geld zu tauschen, habe mich literarisch auf meine Reise vorbereitet. Ich habe es euch ja schon mal gesagt: Reiseliteratur ist mein Reiseführer – heute mit Büchern aus und über Israel!

Guggenheim Bilbao

Lieblingsmuseum: Guggenheim Bilbao

Das Guggenheim Bilbao ist – ich kann es nicht anders sagen – ein „Gute-Laune-Museum“. Und das im allerbesten Sinn! Wie oft schon fühlte ich mich nach einem Museumsbesuch erschlagen, ermüdet und melancholisch ob der Großartigkeit der Kunst und der Unbedeutsamkeit des Einzelnen.

Fotos

Bitte keine Fotos: Über ein Wochenende mit selbstauferlegtem Foto-Verbot

Wie verändert sich die Wahrnehmung einer Stadt, wenn man während einer Reise keine Fotos macht?

Wie verhalte ich mich an Orten, an denen jeder andere Reisende ein Bild macht? Was mache ich in den Momenten, in denen ich – unter normalen Umständen – ein Bild machen würden?

Welche Bilder bleiben im Kopf – auch und gerade weil sie nicht auf dem iPhone gespeichert sind?

Reiseliteratur Bilbao

Reiseliteratur: Bilbao erlesen

Manche Menschen wälzen Reiseführer bevor sie sich aufmachen, neue Städte, Länder oder Kontinente zu erkunden. Andere klicken sich im Internet durch Reiseportale und Blogs oder studieren stundenlang Empfehlungen und – so scheint es – vor allem Kritiken anderer Urlaubmachender. Wieder andere bereiten sich gar nicht auf eine Reise vor und lassen sich völlig unvoreingenommen auf die Destination ein. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die sich eine Reiseziel – oder auch eine ganze Reiseroute – erlesen: im Vorfeld nähere ich mich dem Neuen literarisch an; vor Ort lasse ich Fiktion und Realität beim Lesen verschmelzen; wieder zu Hause halte ich zum Teil noch Jahre später meine Erinnerungen zwischen zwei Buchdeckeln lebendig.

  • Mark Leckey im Haus der Kunst
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Mark Leckey: Als ob – smarte Kühlschränke und viel Bass im Haus der Kunst

Vor knapp zwei Wochen eröffnete die Mark Leckey Ausstellung Als ob im Haus der Kunst. Das Tweet Up im Vorfeld der offiziellen Eröffnungsfeier war ein offener Diskurs zwischen Mark Leckey, der Kuratorin Patrizia Dander und den analog und digital anwesenden Teilnehmern zu Thematik, Konzeption und medialer Umsetzung der Ausstellung.

  • Warum kaufen wir keine Kunst? Irene Höll / Stefanie Friedrich
  • Warum kaufen wir keine Kunst? Irene Höll / Stefanie Friedrich

Warum kaufen wir keine Kunst?

Letztens erzählte mir eine Freundin von einer Finisage, also dem festlichen Ende einer Ausstellung, und mit gewissem Bedauern fügte sie ihrer Erzählung hinzu, dass die beiden ausstellenden Künstlerinnen Irene Höll und Stefanie Friedrich keines ihrer Bilder während der Ausstellung verkauft hätten. Schnell analysierten wir, dass dies ganz sicher auch auf die mangelnde Vermarktung der Ausstellung zurück zuführen sei (der Beruf in der PR-Branche lässt einen nur schwer los). Aber – und hier müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen – dies kann doch nicht der einzige Grund sein, weshalb in unserer Generation (und vermutlich auch darüber hinaus, sagen wir also in der breiten Masse der Kunstinteressierten heutzutage) keine Kunst gekauft wird!